Verschwendet nicht eure Kraft! Zur Debatte über die Kürzung des Elterngelds

Während über die mögliche Abschaffung des Elterngelds diskutiert wird, sollten wir uns fragen: Wollen wir wirklich unsere Energie darauf verwenden, ein System zu verteidigen, das von Anfang an die Falschen privilegiert hat? Das Geringverdiener*innen systematisch benachteiligt und Care-Arbeit nur dann würdigt, wenn sie von gut verdienenden Menschen geleistet wird? (Lest hierzu den Text von Teresa Bücker „Mit Antifeminismus den Haushalt flicken“.)

 

Jetzt ist der Moment, größer zu denken. Radikaler zu werden. Uns zu trauen, das zu fordern, was Care-Arbeit wirklich braucht: Eine fundamentale gesellschaftliche Neuordnung. Eine Gesellschaft, die nicht mehr zwischen "produktiver" Erwerbsarbeit und "unproduktiver" Sorgearbeit unterscheidet. Die anerkennt, dass ohne Care nichts geht. Die Menschen, die Sorgearbeit leisten, nicht in finanzielle Abhängigkeit zwingt.

 

Statt um den Erhalt eines mangelhaften Systems zu kämpfen, lasst uns unsere Kraft in die Vision einer care-gerechten Gesellschaft stecken. In der Sorgearbeit nicht mehr nach vorherigem Einkommen bewertet wird. In der Menschen nicht mehr zwischen Existenzsicherung und Fürsorge wählen müssen. In der die Gesellschaft kollektiv Verantwortung übernimmt für das, was uns alle am Leben hält.

 

Jetzt kann der Moment sein, in dem wir aufhören, Kompromisse zu verteidigen, und anfangen, das Undenkbare zu fordern. Es ist Zeit, dass wir uns mehr trauen. Dass wir aufhören, dankbar für die Krümel zu sein, die vom Tisch der „richtigen“ Arbeit fallen, die ohne Care gar nicht existieren würde. 

 

Veränderung wartet nicht darauf, dass alle bereit sind. Sie beginnt damit, dass wir aufhören, uns mit weniger zufrieden zu geben, nur weil es mehr als nichts ist.