Schlagfertig gegen Sexismus

Sexismus ist kein Kommunikationsproblem.
Er macht sichtbar, wer sich was herausnehmen darf.

Fast jede Frau kennt den Moment: ein Kommentar in der Besprechung, eine Bemerkung über das Aussehen, ein Lacher auf ihre Kosten. Und dann die Sekunde danach, in der die Antwort fehlt und einem erst Stunden später einfällt, was man hätte sagen können. Im Nachhinein fühlt sich dieses Verstummen wie ein persönliches Versagen an.

Doch fehlen wirklich nur die Worte?

Ein sexistischer Spruch ist keine gewöhnliche Unhöflichkeit, sondern ein Machtzug, und er offenbart etwas über den Raum, in dem er fällt. Wer ihn sich erlauben kann, ohne mit Widerspruch zu rechnen, zeigt damit, wer hier oben steht und wer auf einen Platz verwiesen werden darf.

Der Kommentar ist deshalb nicht nur eine Zumutung, sondern auch eine Information: Er legt offen, wie die Machtverhältnisse in dieser Runde tatsächlich verteilt sind. Das kurze Verstummen danach ist keine Schwäche, sondern die normale Reaktion darauf, unvermittelt an diesen Platz gestellt zu werden.

„Ob man frech kontern kann, ist keine Frage des Mutes. Es ist eine Frage der Machtposition."

Sprachlos?!

Die übliche Antwort darauf lautet, man müsse eben schlagfertiger werden und den passenden Konter parat haben. Doch dieser Rat übersieht genau die Macht, die der Spruch gerade offengelegt hat. Ob eine schlagfertige Erwiderung klug ist, hängt nicht vom Sprachgefühl ab, sondern von der eigenen Position. Wer eine gleichgestellte Person kontert, riskiert wenig.

Wer dieselbe Bemerkung von der Führungskraft, der Kundin oder dem Prüfer hört, von denen die eigene Beförderung, der Auftrag oder die Note abhängt, riskiert sehr viel.

Zu schweigen ist dann oft keine verpasste Gelegenheit, sondern eine realistische Einschätzung dessen, was ein frecher Konter kosten würde, und diese Kosten trägt man allein. Ein Training, das nur die perfekte Erwiderung einübt, lässt Frauen mit diesem Risiko im Stich.

Woran wir arbeiten

Deshalb geht es in diesem Workshop nicht um die schärfste Antwort, sondern um erweiterte Handlungsspielräume. Wer eine Situation lesen kann, erkennt, welches Machtverhältnis der Kommentar gerade offenlegt, und wählt daraus eine Reaktion, die zur eigenen Lage passt, statt sie zu ignorieren. Das kann der klare Konter sein, wo die Position ihn zulässt. Es kann die ruhige Rückfrage sein, die den Zug sichtbar macht, ohne offen zu konfrontieren. Es kann heißen, den Moment später und an anderer Stelle aufzugreifen, Verbündete einzubeziehen oder die Sache an die Institution zu tragen. Souveränität ist hier nicht das schnellste Mundwerk, sondern die zurückgewonnene Wahl, wie man reagieren möchte, im vollen Bewusstsein der Beziehung und der Machtstruktur, in der man steht.

Im Zentrum steht nicht das Einüben von Sprüchen, sondern das Lesen der Situation. Wir schauen uns an, wie sexistische Kommentare gebaut sind, welches Machtverhältnis sie sichtbar machen und was sie im Raum bewirken sollen. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden ein Repertoire an Reaktionen für unterschiedliche Konstellationen, von der Situation unter Gleichgestellten bis zu der, in der das Gegenüber Macht über sie hat. Ziel ist, in jeder dieser Lagen eine Wahl zu haben, statt überrumpelt zu sein.Der Kommentar ist deshalb nicht nur eine Zumutung, sondern auch eine Information: Er legt offen, wie die Machtverhältnisse in dieser Runde tatsächlich verteilt sind. Das kurze Verstummen danach ist keine Schwäche, sondern die normale Reaktion darauf, unvermittelt an diesen Platz gestellt zu werden.

Als Inhouse-Workshop für Frauen-Netzwerke, Teams, Gleichstellungsprogramme oder Fachtage, zugeschnitten auf die Situationen und Hierarchien, die in Ihrer Organisation tatsächlich vorkommen.

Denn welche Reaktion möglich ist, hängt immer davon ab, wer wem gegenübersteht.